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Pizzaessen in Wien – aufgetischt und aufgedeckt.

Pizzaessen in Wien

Es ist nicht nur ein gut ausgerollter, mäßig runder Teig aus Mehl, Wasser, Salz, Olivenöl und Germ. Garniert mit echter Tomatensauce und Mozzarella. Es ist das Heiligtum der Italiener. Auch wenn die Herkunft nicht ganz nachgewiesen ist. Italien ist Pizza und Pizza ist Italien. Punto e basta. Leider ist Italien von Wien aus halbwegs weit entfernt. Für einen Urlaub kein Problem. Aber zum Pizzaessen doch etwas umständlich. Wohin also zum Pizzaessen in Wien? 

Pizza zelebrieren statt Pizza betonieren.

Die Frage ist schnell beantwortet. Sicher nicht in jede Pizzeria. Pizza ist nicht gleich Pizza und ein gut klingender italienischer Name macht aus einem Lokal noch lange keinen echten Italiener. Da gehört schon mehr dazu. Kleinigkeiten wie auch Essentielles. Wie zum Beispiel der Holzofen. Ohne Holzofen geht gar nichts. Da können Sie sich aufregen wieviel Sie wollen. Ja. Ich bin ein Ofenrassist und würde die Elektroherde wieder in ihr Ursprungsland abschieben. Direkt. Das lodernde Feuer, die Glut, das Knistern, der in Schweiß gebadete Pizzaiolo, das ständige Fuchteln und Drehen der Pizza, damit sie von allen Seiten richtig durch ist – all das gehört zum Pizzaessen dazu. Der Teig muss ein paar knusprige, leicht angebrannte Blasen bekommen dürfen.

Pizza gehört zelebriert nicht betoniert. Das fängt beim Empfang an. Ich muss mich sofort „a casa“ fühlen. So wie bei meinen Verwandten in Apulien. Mindestens 5 x will ich „Gino“ hören. Und zwar mit langem „o“. Also „Ginooooooooo“. Und wenn man mich noch nicht kennt, wird man mich kennen lernen. Beim Italiener will ich italienisch sprechen müssen. Und wollen. Ich will eine Birra Moretti und weniger Ottakringer. Will ein San Pellegrino Wasser und kein Vöslauer Sprudel. Und ich will Tomatensouce und keine Tomatenpaste. Echte Mozzarella statt Analog-Käse.

Kein Witz aber Comedy pur.

Pizza ist Italiens Nationalgericht und kann nicht einverleibt werden. Mit teilweise abstrusen Variationen. Die echte Pizza ist die einfachste. Mozzarella und Tomaten. Alles andere ist irgendeine Erfindung, um ein paar Euros aufschlagen zu können. Eine unnötige Erfindung. So wie ein Latte Macchiato. Braucht niemand. € 10 oder mehr für eine Pizza? Perche? Ich bin es gewohnt, mit € 10 auszukommen. Für Pizza, Getränk und Coperto. Als kleiner Bub war das Pizzaessen der Höhepunkt der Woche. Am Lungomare. To Go würde man heute sagen. Wir haben zugeschaut, wie der Pizzaiolo den Teig akrobatisch in seine Form gebracht hat. Mindestens 3x flog er dabei durch die Luft. Die Mozzarella wurde noch vor unseren Augen mit dem scharfen Messer showreif zerstückelt. So schnell, dass ich um die Finger des Pizzabäckers bangen musste. Und wir konnten zusehen, wie man sich im Ofen liebevoll um jede Pizza kümmerte. Mehrmals in den knapp drei Minuten.

Danach saßen wir im Freien und aßen. Im Hintergrund das Rauschen der Wellen, die auf den künstlichen Klippen zerschellten. Was für eine Kindheit. Was für eine Pizza.

Pizzalokale dringend gesucht.

Pizzaessen in Wien. Wenn man lange genug sucht, wird man fündig. Wurde ich fündig. Mit der Zeit habe ich Lokale gefunden, in denen ich meinen heimatlichen Hunger und meine innere Sehnsucht stillen kann. Da ist einmal die Pizzeraia „il mare“ in der Zieglergasse. Wiens älteste Pizzeria. Hier schwirrt die ganze „famiglia“ hektisch im Lokal hin und her. Bemüht, authentisch, fast schon ferngesteuert. Alles auf sehr engem Raum. Ambiente und Einrichtung sind ziemlich italophil. Ich mag „il mare“. Sofern ich einen Tisch bekomme. Schnell mal hinkommen und Platz nehmen, geht kaum. Wenn, dann eher vor 19 Uhr. Und nach 21 Uhr.

Eine weitere vollig konträre Pizzeria ist die „Riva“ in der Türkenstraße. Mittlerweile gibt es davon eine Zweite. Die Favorita im 4. Bezirk, Favoritenstraße. Hier ist die Pizza gut. Doppelt so hoch wie jene bei „il mare“. Der Rest ganz ok. San Pellegrino inklusive. Dem letzten Kellner, habe ich seine italienische Herkunft nicht ganz abgekauft. Und alles fühlte sich mehr nach Speisesaal im Urlaub an. Das typisch italienisch Flair fehlte. Massenabfertigung. Für eine gute Pizza sind das aber Abstriche, die man hinnehmen muss.

Raumschiff Pizzaprise.

Es gibt natürlich noch viele andere Lokale und alle habe ich sie noch nicht entdeckt. Warum den auch. In der Gumpendorferstraße zum Beispiel. Raumschiff Pizzaprise oder eben „disco volante„. Ein unscheinbares Lokal. Mit einer auf das Minimum reduzierten Einrichtung. Hohe Räume und eine Akustik wie in einer Turnhalle. Dafür einen Holzofen, der aussieht wie eine Discokugel aus den späten 70igern. Originell. Wertet auf und gleicht die anderen kleinen Defizite aus. Die Pizza dort sehr gut. Wie es sich gehört. Eine einfache Margherita wie sie schmecken sollte. Tomatenbetont und nicht teigbetont.

Vielleicht mühe ich mich noch, ein paar andere aufzusuchen. Wien ist ja groß. Und dann gehe ich raus aus der Stadt. Auf Pizza Entdeckungsreise. Vielleicht gibt es eine, die mich Italien vergessen lässt. Auch wenn ich das bezweifle.

Gino Cultura

 

 

2 Kommentare

  1. Ich mag das La Delizia in der Florianigasse so gern, neapolitanische Familienatmosphäre pur! Und natürlich die Schwester (oder besser: Mutter) der Disco Volante: Pizza Mari im 2. Bezirk.

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